Was der Mittelstand von FinTechs lernen kann

Was der Mittelstand von FinTechs lernen kann

FinTech-Unternehmen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie neueste Technologien einsetzen, um für Unternehmen und Verbraucher neue Produkte und Dienstleistungen zu erzeugen. Schon heute haben sich durch FinTech geschaffene neue Investmentformen etabliert.

FinTech ist das Stichwort der Stunde: Die Finanztechnologie (kurz FinTech) ist jetzt der am schnellsten wachsende Sektor in dieser Branche. Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zufolge besteht für die klassischen Finanzinstitute die Gefahr, mehr als 20 Prozent ihres Marktanteils bis zum Jahr 2020 an FinTechs zu verlieren. Dabei war der Begriff „FinTech“ vor wenigen Jahren noch gänzlich unbekannt.

FinTech-Unternehmen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie neueste Technologien einsetzen, um für Unternehmen und Verbraucher neue Produkte und Dienstleistungen zu erzeugen. Schon heute haben sich durch FinTech geschaffene neue Investmentformen etabliert: Crowdfunding und Peer-to-Peer-Lending beispielsweise sind Methoden der Geldbeschaffung, die jedem offenstehen. Bitcoin, die weltweit erste digitale Währung, gibt es schon seit 2008. Die beiden Beispiele haben eines gemeinsam: Sie kommen ohne eine Bank aus.

Das „Internet der Dinge“ macht’s möglich, so die Einschätzung von Deloitte. Formulare für Bankgeschäfte, Kontoauszüge in Papierform und Bankkarten aus Plastik würden immer unüblicher – vor allem mit zunehmendem Alter der Generation Y. Die Zukunft der Finanzdienstleistungen liege in kontaktfreier Echtzeit-Interaktion – über Mobilgeräte und andere kontaktfreie Interaktionsmedien.

Während die Banken noch durch die Finanzkrise 2008 verunsichert waren und mit regulatorischen Umwälzungen in bisher nicht gekanntem Maße konfrontiert waren, entwickelten sich die Startups prächtig. Und sie übernahmen fleißig. Der Mittelstand kann viel aus dem Aufruhr lernen, den FinTechs in der Finanzdienstleistungsbranche ausgelöst haben. Was haben FinTechs konkret gemacht?

1. Sie haben den Ablauf vereinfacht

FinTech basiert auf einem ganz einfachen Modell: die Bedürfnisse der Verbraucher verstehen und innovative Wege zur Befriedigung der Bedürfnisse finden.

Disruptor in allen Bereichen – man denke nur an Airbnb und Uber – haben eines gemeinsam: Vereinfachung. Sie haben mithilfe neuer Technologien eine Verbindung zwischen Unternehmen und Verbrauchern hergestellt, die die Verbraucher als einfach zu nutzen und sicher empfinden.

2. Sie haben verstanden, wie man neue Kunden erreicht

Laut dem Bericht „FinTech Futures“ der britischen Regierung könnten FinTechs die 2,5 Mrd. Menschen weltweit ohne Bankkonto zu erreichen. In Zukunft werden laut ihrer Einschätzung bis zu 95 % aller Menschen weltweit über ein Smartphone verfügen (2015 verfügten 58 % der Erwachsenen über einen Internetzugang per Mobiltelefon).
Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse führt dazu, dass Kunden, die bisher aufgrund ihres Wohnorts oder der demografischen Zugehörigkeit nicht berücksichtigt wurden, nun erreicht werden können. FinTech hat sich diesen Umstand zunutze gemacht und Produkte und Dienstleistungen geschaffen, die jedem mit Internetzugang zur Verfügung stehen.

3. Sie haben Ihre Kunden kennengelernt

Einer der entscheidenden Faktoren für den Erfolg einiger FinTech-Unternehmen ist die gezielte Nutzung von Kundendaten.
Wie viele Nennungen bei Facebook, welche Twitter-Beiträge führten zu Konversationen, wie viele E-Mails wurden gelesen und von wem – all das sind wertvolle Informationen für die Kundengewinnung und -bindung. Der Erfolg vieler FinTech-Startups ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass diese Daten gesammelt, analysiert und dann clever eingesetzt wurden.

4. Sie haben eine Nische gefunden

FinTechs haben eine Nische im Finanzwesen, in den Finanzdiensten und im Geldwesen selbst gefunden. Der Boom der Finanztechnologie liegt unter anderem darin begründet, dass Kunden, denen die klassischen Banken kein Geld geben können oder wollen, in dieser Branche Kredite erhalten.
Einige haben sich weiterentwickelt und konzentrieren sich ganz auf ein bestimmtes Segment innerhalb des Marktes. Die ausgeprägte Kunden- und Serviceorientierung macht sie letztendlich so erfolgreich.

5. Sie kooperieren strategisch

Clevere Finanzinstitute haben begriffen, dass sie durch Kooperationen mit FinTechs ihren langfristigen geschäftlichen Erfolg sicherstellen können. In der Tat zählen Banken zu den größten FinTech-Investoren. Während es nämlich den Banken an innovativen Ressourcen fehlt, haben FinTechs sie zuhauf. Auf der anderen Seite verfügen manche FinTech-Startups nicht über ausreichende Ressourcen, um die Produkte einer globalen Zielgruppe näherzubringen. Etablierte Institute hingegen können diese schnell bereitstellen.
Wenn die Unternehmen in ihrer eigenen Branche keinen Aufruhr auslösen, geschieht das vielleicht durch andere. Sind Unternehmen nicht imstande, die Digitalisierung richtig zu nutzen – mit all den Folgen für die eigene Geschäftstätigkeit und für die Kunden – könnte eine strategische Kooperation eine gute Alternative für die Zukunft sein.

FinTech füllt ein Vakuum, das die Finanzkrise und die regulatorischen Umwälzungen hinterlassen haben. Was wird der Technologiewandel in Ihrem Bereich bewirken?

Weitere Informationen zu den FinTech-Trends oder über Technologie im Banken- und Finanzdienstleistungssektor allgemein erhalten Sie von Anne Brömel ([email protected])