Auswirkungen von Solvency II

 Seit der Finanzkrise wird über die Solvabilität hitzig diskutiert. Die Ausarbeitung dieser Regelungen hat zehn Jahre in Anspruch genommen und genau in den letzten zwei Jahren wurde deutlich erkennbar, welche Maßnahmen die Versicherungsunternehmen zur Vorbereitung ergreifen mussten.

Das Thema ist nicht neu. Seit der Finanzkrise wird über die Solvabilität hitzig diskutiert. Die Ausarbeitung dieser Regelungen hat zehn Jahre in Anspruch genommen, und genau in den letzten zwei Jahren wurde deutlich erkennbar, welche Maßnahmen die Versicherungsunternehmen zur Vorbereitung ergreifen mussten. In der Vorbereitungsphase vor der Umsetzung bauten die Versicherungsgesellschaften ihre Kapazitäten auf der Personalseite erheblich auf, um die neuen aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfüllen zu können. Das bedeutete vor allem eine Stärkung der quantitativen Prozesse, um den neuen Berichts- und Modellierungspflichten nachkommen zu können.

„In den letzten zwei Jahren war vor allem der Bedarf an auf Solvabilität spezialisierten Aktuaren sehr groß“, erklärt Miriam Hermle, Business Manager bei Huxley. „Die Versicherungsgesellschaften haben sich sehr auf den Aufbau der mit Risikomanagement und Berichterstattung betrauten Abteilungen konzentriert, und der Großteil von ihnen ist mittlerweile gut auf Solvency II vorbereitet. Sie haben sehr viel Energie und Geld aufgewandt, um ihre Modelle zu erstellen und die internen Prozesse für die gesamte Umsetzung bereit zu machen.“ Nun ist Solvency II also da. Und so stellt sich die Frage, ob die täglichen Abläufe so reibungslos vonstattengehen wie erwartet, und welche neuen Anforderungen in Zukunft erfüllt werden müssen.

Neue Kompetenzen

„Es wird eine Verschiebung stattfinden von den Versicherungsmathematikern, die mit der ersten Säule, dem Modellierungsteil, vertraut sind und möglichst viel davon automatisieren oder kleinere Probleme lösen können, hin zu denjenigen, die sich mit der dritten Säule, dem Berichtsteil, auskennen“, so Hendrik Naew. „Dieser kleine Teil muss passen“, ergänzt er, „nicht nur für die Aufsichtsbehörden, sondern auch für das, was dem Markt präsentiert wird. Die Berichterstattung steht jetzt im Mittelpunkt, und genau für diesen Bereich könnten die Versicherungsgesellschaften jetzt neue Mitarbeiter einstellen.“

Auf der Assetseite müssen die Daten zu allen Finanzinstrumenten, in die die Versicherungsgesellschaft investiert, in einem Berichtssystem zusammengefasst werden. „Das führt zwangsläufig zu Problemen“, erläutert Miriam Hermle. „Viele Abteilungen bzw. Unternehmensgesellschaften arbeiten mit unterschiedlichen Datenformaten, verschiedenen Schnittstellen und müssen daraus ihre Risikoberichte erstellen. Diese technischen Herausforderungen werden meiner Meinung nach in naher Zukunft ein Arbeitsschwerpunkt vieler Versicherungskonzerne sein“, erläutert Miriam Hermle.

Ein Thema, das andere Kompetenzen erfordert als in der Vorbereitungsphase zu Solvency II, wie Hermle erläutert: „Zwar werden die Kernkompetenzen auch weiterhin im Bereich der Versicherungsmathematik angesiedelt sein, doch wird eine Kombination mit Know-how im Datenmanagement erforderlich werden. Die neuen Mitarbeiter, die Versicherer im Moment suchen, kennen sich mit der Versicherungsmathematik, aber auch mit den entsprechenden Schnittstellen zu den Bereichen IT, Vertrieb oder Recht, insbesondere in puncto Kommunikation, Berichterstattung und Vorstellung dieser Themen bei der Geschäftsleitung und bei externen Stakeholdern sehr gut aus. Die anfängliche Konzentration bei Versicherern auf quantitative Themen verschiebt sich auch im aktuariellen Umfeld hin zu qualitativen Fragestellungen und Arbeitsbereichen.“

Ein Markt im Wandel

Nun, da die Solvabilitätsvorschriften in Kraft sind, überlegen die Versicherungsgesellschaften sehr genau, welche Produkte sie anbieten, und stellen sicher, dass sie angesichts der neuen Regeln auch wirklich sinnvoll sind. Dabei kommt es natürlich auch zu einer Änderung der Produktpalette. Langfristig werden sich durch Solvency II auch die Geschäftsabläufe von Versicherungsgesellschaften verändern. „Aufgrund der Auswirkungen der Regeln auf neue Unternehmen wird sich definitiv eine Veränderung der Geschäftsmodelle ergeben“, so Hermle.

Am stärksten wird wohl der Lebensversicherungssektor betroffen sein, wo er eine Verschiebung weg von langfristigen Investitionsgarantien anbietenden Versicherungsgesellschaften, für die hohe Kapitalanforderungen unter Solvency II gelten, prognostiziert.

Das britische Rentengeschäft ist ebenfalls im Wandel. Die Versicherungsgesellschaften, die nach wie vor Renten verkaufen, erwerben aufgrund langfristiger Risiken zunehmend Rückversicherungen für die langfristigen Risiken, um die Kapitalanforderungen zu verringern.

Deshalb suchen die Versicherer nach Personen, die ihnen bei der Entwicklung neuer Produkte helfen können, die in das aktuelle Umfeld passen, sagt Naew: „Sie müssen sich dabei mit der Investmentseite, d.h. wie Kapitalmärkte funktionieren, als auch mit den entsprechenden Finanzinstrumenten wie Aktien, Anleihen, ETFs, auskennen. Vor allem Lebensversicherer suchen momentan nach Versicherungsmathematikern, die Produkte entwickeln können, die auf der einen Seite nicht zu riskant für sie sind und auf der anderen Seite die Bedürfnisse der Verbraucher befriedigen, insbesondere hinsichtlich ihrer Erwartungen zur Rendite in einem aktuell sehr schwierigen Zinsumfeld.“

Solvency II wird auch zu mehr Fusionen und Übernahmen führen: Solvency II belohnt gut diversifizierte Versicherungsgesellschaften mit niedrigeren Kapitalanforderungen. Deshalb wird eine Konsolidierung des Sektors erwartet, da größere Versicherungsgesellschaften eine weitere Diversifizierung anstreben und kleinere Versicherungsgesellschaften mit spezialisierten Geschäftstätigkeiten (und geringeren Möglichkeiten, alle neue Analysen und Berichte zu bearbeiten, die Solvency II erfordert) streben eine Zusammenführung an.

Es ist noch nicht vorbei

Während viele Versicherungsgesellschaften nun Stabilität im Sektor fordern, d.h. keine neuen Vorschriften, ist nicht klar, wie es mit Solvency II weitergehen wird. Im Februar dieses Jahres sagte die britische Regierung in ihrer Antwort an die EU-Kommission, dass „die Umsetzung von Solvency II bis heute bereits Fragen zu den Auswirkungen des Projekts auf langfristige Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Versicherungsbranche aufwirft.“

Weiter heißt es: „Obwohl die Solvency-II-Regelungen erst am 1. Januar 2016 in Kraft getreten sind, plädiert die britische Regierung dafür, der geplanten Überprüfung von Solvency II im Jahr 2018 einen breiteren Rahmen zu geben und sie nach Möglichkeiten auf einen früheren Zeitpunkt zu verlegen.“ Wenngleich noch keine offizielle Antwort eingegangen ist, sind weitere Änderungen in der Zukunft nicht unwahrscheinlich.

Weitere Informationen zu den Auswirkungen von Solvency II auf das Banken- und Finanzdienstleistungsgeschäft erhalten Sie von Frau Miriam Hermle.

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